Ein Insel-Planspiel für die Grundschule – ein didaktischer Doppeldecker zur Demokratiebildung im Sachunterricht
Die Schüler*innen der 4a öffnen ihre Augen und schauen sich im Klassenraum um. Die Tische sind in vier Gruppen angeordnet. Auf jedem Gruppentisch steht eine Flaschenpost mit einer Inselkarte und einer Materialliste. Die Schüler*innen wurden gerade mit einer Traumreise in ein Inselszenario versetzt: Die gemeinsame Segelreise in der Karibik nimmt eine abrupte Wendung, als ein Sturm aufzieht, in dessen Folge das Schiff beschädigt wird und auf einer einsamen Insel strandet. Auf dieser Insel müssen die Schüler*innen ihr Über- und Zusammenleben organisieren und dabei praktische Probleme lösen, mit Konflikten umgehen und gemeinsame Entscheidungen treffen. Eine Rettung ist (noch) nicht in Sicht.
Dies ist die Ausgangssituation eines Insel-Planspiels mit dem Titel „Wie wollen wir gemeinsam leben?“, das im Rahmen eines Projektseminars von Studierenden des Sachunterrichts entwickelt wurde. Im Folgenden werden das Planspiel als Beitrag zur Demokratiebildung im Sachunterricht und die Planspielentwicklung als Beitrag zur Demokratiebildung in der Lehrkräftebildung diskutiert. Dabei werden die Entwicklung und Durchführung des Insel-Planspiels als Praxisbeispiel und zugleich als Reflexionsanlass genutzt. (1)
Die Planspielentwicklung eröffnet Möglichkeiten, Demokratiebildung nicht nur in der Schule, sondern auch in der Lehrkräftebildung umzusetzen. Wird die Vielperspektivität des Sachunterrichts für die Planspielentwicklung genutzt, kann dies dazu beitragen, dass die Methode des Planspiels in der Grundschule nicht „nur“ als reduzierte Version zum Einsatz kommt, sondern einen genuinen Eigenwert erhält. Dadurch kann wiederum die Motivation sowohl der Schüler*innen als auch der Lehrkräfte erhöht werden. Besonderes Potential bietet hier das bisher wenig diskutierte Inselszenario.
Gleichzeitig ist die Reflexion der Planspielentwicklung – insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld Offenheit vs. Geschlossenheit – unabdingbar, um Demokratiebildungsprozesse anstoßen zu können. Zudem warnt Simon vor einer Beschränkung von Demokratiebildung auf „singuläre Projekte“ (Simon 2023, 69). So können ein Planspiel-Projektseminar in der Lehrkräftebildung und ein Projekttag in der Schule nur „eines der ‚vielen Gesichter‘ des Demokratie-Lernens“ (ebd.) sein. (2)
Meyn, J. (2026). Ein Insel-Planspiel für die Grundschule: Ein didaktischer Doppeldecker zur Demokratiebildung im Sachunterricht. In M. Busch, M. W. Dittgen, L. Frerick, & B. Weyand (Hrsg.), Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe der Lehrer:innenbildung (S. 278 - 292). Wochenschau-Verlag.
Der Beitrag basiert auf einem Workshop im Rahmen der Tagung "Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe der Lehrer:innenbildung" an der Universität Trier. Er ist Teil des folgenden Tagungsbands:

Das Projektseminar wurde in den Sommersemestern 2023 und 2024 mit Sachunterricht-Studierenden der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführt. Ab dem Wintersemester 2026/2027 wird das Projektseminar fester Bestandteil des Abschlussmoduls für Sachunterricht-Studierende des Bezugsfachs 'Gesellschaftswissenschaften'.
(1) Meyn (2026), S. 278; (2) ebd., S. 288 f.